Ich kann noch so viel überarbeiten, wie ich möchte,
ich sehe trotzdem irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Was sich im
Berufsalltag bewehrt, sollte auch bei der Überarbeitung eines Buches Anwendung
finden: das Mehr-Augen-Prinzip.
Deshalb habe ich mich dafür entschieden, die Hilfe
von Familie und Freunden in Anspruch zu nehmen. Selbstverständlich sollte es
sich dabei um Menschen handeln, die in ihrem Leben nicht nur die Pflichtlektüre
des Deutschunterrichtes gelesen haben. Idealerweise sollte ein Teil der
„Kritiker” über Genrekenntnisse verfügen; der andere Teil dagegen noch wenige
Berührungspunkte haben. So kann die erste Gruppe beurteilen, ob das
Geschriebene tatsächlich genretypisch ist. Gleichzeitig erfahre ich von der
anderen Gruppe, ob mein Buch auch für genrefremde Leser verständlich ist.
Trotzdem ist diese Hilfe mit Vorsicht zu genießen.
Es hilft überhaupt nicht, wenn jemand aus Nettigkeit, oder weil er denkt, mich
nicht kränken zu wollen, keine konstruktive Kritik zustande bringt. Man denke
nur an die armen Menschen, die sich vor die verschiedenen Casting-Jurys stellen,
weil ihre Freunde sagen, sie könnten singen, obwohl sie ganz offensichtlich
über keinerlei Gesangstalent verfügen.
Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass es
Freunde oder Verwandte geben wird, die über wenig Ausdauer für solch eine
Aufgabe verfügen. Dann zieht sich die Überarbeitung sehr in die Länge.
Ich habe die Anzahl der Leute, denen ich mein
Skript gegeben habe, überschaubar gehalten, damit ich am Ende nicht ewig und
drei Tage auf die überarbeiteten Versionen warten muss, oder gar den Überblick verliere,
wem alles ich mein Skript gegeben habe.
Science-Fiction liest übrigens niemand, den ich
kenne. Dass erschwert es, Feedback von Genrekennern zu erhalten. Der gut
gemeinte Vorschlag eines genrefremden Freundes, doch mal jemanden drüber gucken
zu lassen, der Fantasy liest, ist nur bedingt sinnvoll. Wahrscheinlich hatte
dieser Freund in Büchereien das Phänomen bemerkt, dass Science-Fiction gerne
mit Fantasy zusammengeworfen wird und die Bücher beider Genres nicht selten
sogar in ein und demselben Regal zu finden sind.
Nun bin ich gespannt auf die Anregungen und hoffe,
dass ich am Ende kritikfähig genug bin.
Was ist mit euch? Habt ihr euer Skript schon mal
jemand anderes zur Beurteilung gegeben? Wie seid ihr mit negativer als auch
positiver Kritik umgegangen?